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News

Bilanz der Kieferorthopäden nach einem Jahr Gratiszahnspange: „Gute Idee, schlecht umgesetzt“


Do., 9. Juni 2016

Umfrage unter Mitgliedern des Verbandes Österreichischer Kieferorthopäden: Kritik am massiv gestiegenen bürokratischen Aufwand – 71 Prozent der befragten KieferorthopädInnen bezeichneten die Einführung als „chaotisch“ – bei 81 Prozent der VertragskieferorthopädInnen sind die Neuanfänge gestiegen

Wien – Ein Jahr nach der Einführung der sogenannten Gratiszahnspange in Österreich zieht der Verband Österreichischer Kieferorthopäden (VÖK) eine zwiespältige Bilanz. Grundlage ist eine Mitgliederbefragung zur Krankenkassen-Zahnspange, die von trigger research durchgeführt wurde. 221 KieferorthopädInnen (66 Prozent der VÖK-Mitglieder) nahmen an der Befragung teil. „Fast 60 Prozent unserer Mitglieder halten die Krankenkassen-Zahnspange für eine gute Idee, die aber schlecht umgesetzt wurde“, zitiert VÖK-Vizepräsidentin Dr. Doris Haberler eines der zentralen Ergebnisse aus der Umfrage. So gaben 71 Prozent der ÄrztInnen an, dass die Einführung chaotisch verlaufen sei.

Hoher bürokratischer Aufwand, IOTN-Einstufung nicht einwandfrei
Ein weiterer zentraler Kritikpunkt: 91 Prozent der Befragten klagen, dass der bürokratische Aufwand seit Juli 2015 massiv gestiegen sei. Darüber hinaus fühlen sich nur 26 Prozent zu allen Details der Krankenkasse-Zahnspange bestens informiert. Lediglich 38 Prozent sagen, dass die IOTN-Einstufung einwandfrei funktioniere. Mit dieser Skala von eins bis fünf wird die Schwere der Fehlstellung bewertet. Eine massive Fehlstellung nach IOTN 4 oder 5 ist Voraussetzung für PatientInnen, um eine kostenlose Zahnspange zu bekommen. Auch die Genehmigung der Anträge und die Abrechnung der Krankenkasse-Zahnspange werden laut der Befragung kritisch bewertet. Auf die Frage, ob PatientInnen durch die Krankenkassen-Zahnspange einen deutlichen Mehrwert erhalten, antworteten nur 29 Prozent der Mitglieder mit Ja.

Profitiert haben von der Einführung der Krankenkassen-Zahnspange neben den betroffenen PatientInnen auch die VertragskieferorthopädInnen: Bei 81 Prozent von ihnen sind die Neuanfänge seit Juli 2015 gestiegen, während nur 18 Prozent der KieferorthopädInnen ohne Vertrag über mehr Behandlungsstarts berichteten. Die Neuanfänge lagen allerdings insgesamt unter den Erwartungen der VÖK-Mitglieder.
Auch für heuer wird laut Umfrage kein Ansturm erwartet. Dr. Haberler: „In Summe hat die Einführung der Krankenkassenspange positive wirtschaftliche Auswirkungen auf unsere Mitglieder, wird aber trotzdem sehr kritisch gesehen.“

Ein zusätzlicher Wermutstropfen für den VÖK ist die fehlende soziale Staffelung. Generalsekretärin DDr. Silvia Silli: „Die Leistung erfolgt nur nach medizinischen Kriterien. Unser Vorschlag für eine Bezuschussung mit Staffelung nach medizinischen und sozialen Kriterien wurde nicht aufgenommen.“ Bedauerlich sei zudem, dass die Altersgrenze mit 18 Jahren auch bei PatientInnen mit ausgeprägten Wachstumsstörungen angewendet werde. Denn diese Behandlungen können aus medizinischen Gründen sinnvollerweise oft nicht vor dem 18. Lebensjahr begonnen werden.

Ein weiterer Kritikpunkt: Da es in Österreich bislang keine ausgewiesenen Kieferorthopädie-SpezialistInnen gibt, wurden im Vertrag deutlich unterschiedliche Kriterien für die Vertragsvergabe bzw. Akkreditierung als WahlkieferorthopädIn festgelegt. Daher haben PatientInnen mit schwerwiegenden Zahn- und Kieferfehlstellungen nach wie vor keine Sicherheit bei der Suche nach SpezialistInnen. Der Hintergrund: Die Kieferorthopädie ist ein Spezialgebiet der Zahnmedizin. In fast allen Ländern der Welt gibt es eine mindestens dreijährige universitäre Zusatzausbildung zum Fachzahnarzt für Kieferorthopädie. In Österreich ist diese Titelführung trotz der vorhandenen universitären Ausbildung nicht erlaubt, da es keine staatliche Anerkennung gibt. DDr. Silli: „Erste konstruktive Gespräche mit der Zahnärztekammer, den Universitäten und dem Bundesministerium für Gesundheit fanden in den letzten Monaten statt, diese sollen im Herbst fortgesetzt werden.“

Über den VÖK
Gemeinsam mit den Universitäten Graz, Innsbruck und Wien kämpft der VÖK seit seiner Gründung im Jahr 1997 im Sinne des PatientInnenschutzes für die Einführung des Fachzahnarztes für Kieferorthopädie in Österreich. Der Verband Österreichischer Kieferorthopäden vertritt 352 kieferorthopädisch tätige ZahnärztInnen in Österreich. Öffentlichkeitsarbeit, PatientInneninformation und Qualitätssicherung sind die Hauptziele des Verbandes.

Pressekontakt:
Ulrich Müller
wikopreventk
Tel. 0699 16020012
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

FAQ "Krankenkassen-Zahnspange"


Do., 12. Nov. 2015

Wer hat Anspruch auf die „Krankenkassen-Zahnspange“?

Kinder/Jugendliche während bzw. nach dem Zahnwechsel bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres. Es muss eine Zahn- und/oder Kieferfehlstellung vorliegen, deren Korrektur aus medizinischen Gründen erforderlich ist.
Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Korrektur ausgeprägter Zahn- und/oder Kieferfehlstellungen, wenn diese bei Vertragskieferorthopädinnen/-päden durchgeführt wird, zur Gänze. Im Zuge der Behandlung dürfen keine zusätzlichen Privatleistungen verrechnet werden.

 

Werden alle Zahnärztinnen/alle Zahnärzte diese neue Leistung anbieten?

Nein. Nur qualifizierte Zahnärztinnen/Zahnärzte dürfen diese Leistung anbieten.
Europa- und weltweit ist es üblich, nach dem Zahnmedizin-Studium ein mindestens dreijähriges Aufbaustudium zum „Fachzahnarzt für Kieferorthopädie“ zu absolvieren. In Österreich gibt es diesen Ausbildungsweg bislang noch nicht. Von den Vertragspartnern wurden für die Anbieter der „Krankenkassen-Zahnspange“ sehr unterschiedliche Qualifikationen anerkannt. Die Krankenkassen überprüfen gemeinsam mit der Zahnärztekammer, welche Bewerberinnen/Bewerber über die vorgesehene Qualifikation verfügen.

 

Kann ich/mein Kind auch zu einer Wahl-Kieferorthopädin/einen Wahl-Kieferorthopäden gehen?

Ja, wenn diese/dieser die erforderliche Qualifikation besitzt (siehe oben). Vor Behandlungsbeginn ist ein Antrag bei der Krankenkasse einzureichen. Bei positiver Prüfung werden 80% des Vertragstarifs erstattet. Das bedeutet, dass die bei den Gebietskrankenkassen bislang übliche Rückerstattung von ca. € 1.000,-- auf ca. € 3.700,-- angehoben wird (bei der BVA auf ca. € 4500,-).
Wurde vor Behandlungsbeginn kein Ansuchen bei der Krankenkasse eingereicht oder wurde das Ansuchen abgelehnt, besteht die Möglichkeit, den Zuschuss auch im Nachhinein (nach erfolgreichem Abschluss der Behandlung) zu beantragen.

 

Welche Korrekturen von Zahn- und/oder Kieferfehlstellungen sind medizinisch erforderlich?

Ob ein medizinischer Behandlungsbedarf besteht, soll mithilfe eines international üblichen Index (IOTN) festgestellt werden. Mit diesem Index werden Fehlstellungen aufgrund bestimmter Merkmale fünf Gruppen zugeteilt (von 1 = kein Behandlungsbedarf bis 5 = sehr großer Behandlungsbedarf).

 

Kann ich/kann mein Kind zwischen ästhetischen Apparaturen (Keramik-Brackets, Schienen, innenliegende Brackets etc.) und sichtbaren Metall-Brackets wählen?

Nein. Wenn man in den Genuss der „Krankenkassen-Zahnspange“ kommen will, sind Metall-Brackets obligatorisch. Die Verwendung ästhetisch unauffälligerer Apparaturen führt zum Verlust des Anspruchs auf eine „Krankenkassen-Zahnspange“.


Wo kann ich feststellen lassen, ob ich/ob mein Kind eine Grad 4- oder 5-Fehlstellung habe/hat?

Bei Ihrer Zahnärztin/Ihrem Zahnarzt oder bei einer Kieferorthopädin/einem Kieferorthopäden. Der Verband Österreichischer Kieferorthopäden (VÖK) empfiehlt eine kieferorthopädische Kontrolluntersuchung im Alter von 4, 8 und 12 Jahren. So kann der individuell richtige Zeitpunkt für den Beginn einer eventuell aus medizinischen Gründen erforderlichen kieferorthopädischen Behandlung festgestellt werden.


Gibt es auch medizinische Gründe, eine kieferorthopädische Behandlung schon im Milchgebiss oder im frühen Zahnwechsel (ca. 6./7. Lebensjahr) zu beginnen?

Ja. Es gibt Fehlentwicklungen, deren Korrektur aus medizinischen Gründen schon im Milchgebiss oder im frühen Zahnwechsel erfolgen sollte (Kreuzbisse, stark vorstehende Schneidezähne, Durchbruchsstörungen etc.). Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für diese „Frühbehandlungen“ bei Vertragszahnärztinnen/Vertragszahnärzten ebenfalls zur Gänze.


Was ist, wenn die Fehlstellung bei mir/bei meinem Kind geringer ist als IOTN 4 oder 5?

Es liegt im Ermessen der Krankenkassen, ob diese den bisher üblichen Zuschuss (ca. € 310,- pro Behandlungsjahr) auch weiterhin gewähren.


Was ist, wenn ich/mein Kind eine Fehlstellung Grad 4 oder 5 habe/hat und mit der Behandlung bereits begonnen wurde?

Es gibt Übergangsbestimmungen, welche individuell bei Ihrer Kasse zu erfragen sind.

 

Verband Österreichischer Kieferorthopäden


Stand: 12. November 2015

Informationen zur "Krankenkassen-Zahnspange"


Mi., 10. Juni 2015

faktencheck Faktencheck: chronologische Entwicklung faktencheckHäufige Fragen und Antworten

 

 

 

Pressegespräch HV der Sozialversicherungsträger/ÖZAK, 16. Februar 2015


Mo., 16. Februar 2015

Pressemappe des HV der Sozialversicherungsträger vom 16. Februar 2015


pressetext

Pressetext zur Pressekonferenz des VÖK vom 23. Jänner 2015


Fr., 23. Jänner 2015

pressetext

 

Krankenkassen-Zahnspange: Kieferorthopäden fordern qualitätssichernde Maßnahmen


Mi., 12. Feb. 2014

 Martin Brock, Präsident des VÖK
DDr. Martin Brock, Präsident des VÖK

Österreichs Kieferorthopäden begrüßen die Einigung der Regierungsparteien zum Thema Krankenkassen-Zahnspange. "Allerdings warnen wir vor einer Husch-Pfusch-Lösung auf Kosten der Patienten", erklärte DDr. Martin Brock, der Präsident des Verbandes Österreichischer Kieferorthopäden. Die Behandlungs-kosten sollen bei medizinisch komplexen Fällen übernommen werden. "Genau bei diesen Fällen kommt es auf die Erfahrung und Kompetenz des behandelnden Arztes an", führte Brock aus.

Jetzt sei die Zeit gekommen, den Fachzahnarzt für Kieferorthopädie, den es in nahezu allen anderen EU-Staaten schon seit langem gibt, endlich auch in Österreich einzuführen: Jeder Zahnarzt, der 90 Stunden Fortbildung absolviert  hat, kann in Österreich Kieferorthopädie auf sein Schild schreiben. Nach internationalen Kriterien ausgebildete Kieferorthopäden mit dreijähriger universitärer Vollzeitausbildung und Prüfung können diesen Titel jedoch nicht führen. Brock: "Daher ist es für österreichische Patienten schwierig herauszufinden, ob es sich um einen Zahnarzt mit kieferorthopädischem Basiswissen oder einen bestens ausgebildete Spezialisten mit umfassendem Wissen handelt."